Vorträge und Film: Umweltgerechtigkeit am Amazonas? … und wie Chevron keinen Aufwand scheut, sie zu verhindern

Eine Veranstaltung im Rahmen des 11. Münchner Klimaherbst und der 3. Alternativen Rohstoffwoche

Schon fast 25 Jahre dauert der Rechtsstreit zwischen 30.000 Bewohnern des ecuadorianischen Regenwaldes und Chevron. Der Ölkonzern hat über Jahrzehnte hinweg durch Fahrlässigkeit und veraltete Technologie Umweltschäden verursacht, deren Folgen Gegenstand eines exemplarischen Haftungsprozesses sind.

Die Entdeckung großer Erdölvorkommen im ecuadorianischen Regenwald durch den U.S.-Konzern Texaco läutete 1967 eine neue Ära in dem südamerikanischen Land ein. Das ’schwarze Gold‘ sprudelte Geld in die Taschen der Regierung – und viel Gift in den Amazonas. Auch wenn das Öl als joint-venture zwischen staatlichem Ölkonzern und Texaco gefördert wurde, verantwortete das multinationale Unternehmen die Produktion. Zur Kostenersparnis wurden veraltete, in den U.S.A bereits verbotene Produktionstechniken angewendet, wodurch über Jahrzehnte toxische Abwässer und Ölschlamm ungefiltert in Böden und Gewässer gelangt sind. So wurden lokale Ökosysteme und damit die Lebensgrundlage und Gesundheit von indigenen Gemeinschaften und Siedlern massiv gefährdet und eingeschränkt. Weitgehend Unbeteiligte trugen damit die  sozialen und Umwelt-Kosten der Erdölforderung. Dieser Vorgang – eine dritte Partei erleidet die Folgen des wirtschaftlichen Handelns anderer – wird als Externalisierung bezeichnet und ist ein alltäglicher Nebeneffekt wirtschaftlicher Interaktionen, der positiv genauso wie negativ ausfallen kann.  Gewinnmaximierung veranlasst jedoch viele industrielle Unternehmen, Kosten auf die Allgemeinheit, bzw. Gemeinschaften vor Ort abzuwälzen – etwa in Form von Luft- oder Wasserverschmutzung. Seit den 1980er Jahren entstanden zunächst in Nordamerika und zunehmend weltweit soziale Bewegungen, welche sich gegen diese Form der Externalisierung und andere, oft rassistisch motivierte Ungerechtigkeiten zur Wehr setzen. Die Umweltbelastung wird häufig nicht zufällig armen Gemeinschaften, ethnischen Minderheiten und indigenen Völker aufgebürdet. Auch in Ecuador kämpfen Indigene und Siedler im Amazonas gemeinsam mit Menschenrechtsorganisationen wie Acción Ecológica für mehr Umweltgerechtigkeit.

Ein Ausschnitt aus dem Film „Stimmen Amazoniens“ (Spanisch mit deutschen Untertiteln) ergänzt die beiden Impulsvorträge und die Diskussion.

Referenten: Christian Lahnstein (früher Munich Re), Maximilian Feichtner (Rachel Carson Center)
Veranstalter: Lateinamerika-Arbeitskreis des Nord Süd Forum München e.V. , Kontakt: lak@nordsuedforum.de

Eintritt frei

Ähnliche Beiträge

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.