Herausforderungen für die Zukunft

Herausforderungen für eine Zukunft ohne Mugabe: Lloyd Sachikonye in München

Im November 2003 konnte HaMuPa mit Misereor und der Volkshochschule München eine Veranstaltung mit dem renommierten zimbabwischen Politikwissen-schaftler Prof. Lloyd M. Sachikonye anbieten. Sein Vortragsthema, „Perspektiven einer Nach-Mugabe-Ära“, nannte er den „WHAM-Faktor“: What Happens After Mugabe? Er machte in der gut besuchten Veranstaltung deutlich, dass allein schon die Entstehung einer „WHAM-Debatte“ in seinem Land von der Widerstandskraft einer durch staatliche Repression in massive Bedrängnis geratenen Zivilgesellschaft und Opposition zeuge. Noch sei nämlich keineswegs absehbar, wie und wann sich in Zimbabwe der politische, wirtschaftliche und soziale Spielraum eröffnen wird, auf den sich das Nachdenken über eine Nach-Mugabe-Ära bezieht.

Klar sei lediglich, dass es „so nicht weitergehen kann“. Jeder einzelne Tag, den die jetzige Regierung ihrem Zerstörungswerk hinzufüge, werde die Bürden eines Neuanfangs in Zimbabwe vergrößern. Eine Nachfolgeregierung werde sich dem Dilemma gegenübersehen, dass der Erwartungsdruck einer betrogenen, beraubten und hungernden Bevölkerung den Umfang und die Qualität des Machbaren zunächst weit übersteigen wird. Auch deshalb sei vor der Illusion zu warnen, mit Zimbabwe werde es selbstläufig wieder aufwärts gehen, sobald die jetzige Oppo-sition im Regierungssattel sitzt.

Welche Kräfte und Interessen innerhalb des breiten oppositionellen Bündnisses Movement for Democratic Change (MDC) die Oberhand gewinnen und ob Teile der jetzigen Regierungspartei ZANU-PF zu einer konstruktiven Zusammenarbeit bewegt werden können, hänge sehr stark von den Modalitäten eines Übergangs ab. Vordringlich seien hier neben der Wiederherstellung von Recht, Frieden und Sicherheit eine Verfassungsreform, ohne die auch Neuwahlen nicht denkbar wären, sowie die heikle Frage der Wiedergutmachung und Sühne der gravierenden staatlichen Menschenrechtsverletzungen. Für die wirtschaftliche Gesundung des Agrarstaates sei nach der umfassenden, aber willkürlich durchgeführten Enteignung und Umverteilung von Ackerland eine zügige Neustrukturierung der Landwirtschaft unabdingbar.

Mittelfristig müsse bei der Bevölkerung wieder Vertrauen in demokratische Prozesse gewonnen sowie international das Vertrauen in die Ernsthaftigkeit und Verlässlichkeit der zimbabwischen Regierung wiederhergestellt werden. Neben der Ankurbelung der Wirtschaft bestehe die eigentliche Herausforderung im Wiederaufbau sozialer Dienstleistungen des Staates, besonders im Gesundheits- und Bildungswesen.

Ohne umfangreiche internationale Unterstützung sei die Bewältigung solcher Mammutaufgaben unmöglich. Sachikonye meinte, es müsse vielleicht sogar über eine Art „Marshallplan“ für Zimbabwe nachgedacht werden. Aber bis dahin könne sich für das ohnehin erschöpfte Land noch eine lange Durststrecke auftun. Um sie durchzuhalten, brauche man vor allem öffentliche und persönliche Solidarität: „Zimbabweans need to know that they have friends.“

Sabine Fiedler-Conradi

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