Partnerschaft „ohne“ Partner

München – Harare: Solidarität in der Krise

Wer mit der wechselvollen jüngeren Geschichte der Hauptstadt Zimbabwes vertraut ist, wird sich zu Recht fragen, wie sich unter solchen Bedingungen eine Städtepartnerschaft gestalten lässt. 1999 hatte die Regierung sowohl den Stadtrat als auch den Oberbürgermeister von Harare abgesetzt und die Stadtgeschäfte kommissarisch verwalten lassen. Aus den ursprünglich sechs Monaten, die für die Übergangsverwaltung vorgesehen waren, wurden angesichts der Konzentration oppositioneller Bestrebungen in der Hauptstadt gesetzeswidrige drei Jahre. Währenddessen gab es für die offizielle Seite der Partnerschaft kein politisches Gegenüber mehr; bestehende Kontakte wurden mitsamt der Zusammenarbeit der Stadtverwaltungen auf Eis gelegt, bis Harare seit März 2002 schließlich wieder über eine in Wahlen legitimierte (MDC-) Regierung verfügte.
Der frische Elan, mit dem die offizielle Partnerschaft von beiden Seiten wieder aufgegriffen wurde, war schon im Juni 2002 spürbar, anlässlich des München-Besuchs des neuen Oberbürgermeisters von Harare, Elias Mudzuri, mit einer Delegation aus Stadtrat und Stadtverwaltung. Inhalte und Intensität der gemeinsamen Gespräche gingen ebenso wie der Teilnehmerkreis weit über das protokollarisch Übliche hinaus und hatten aktuelle Anknüpfungspunkte. Dies liegt auch daran, dass sich die Städtepartnerschaft während der offiziellen „Eiszeit“ andere, nämlich bürgerschaftliche Ebenen der Zusammenarbeit gebahnt hatte.

So hatte HaMuPa zum Beispiel Kontakte zur Combined Harare Residents Association (CHRA) geknüpft, einem Zusammenschluss von nahezu vierzig Stadtteil-Initiativen Harares, der 1999 als gemeinnützige Organisation registriert worden war. In Ermangelung legitimierter – oder schlicht hilfsbereiter – Ansprechpartner bei der Stadt Harare entwickelte sich in den Stadtteilen einerseits beachtliches Selbsthilfepotential, zum anderen politisierte sich das Engagement. Innerhalb der CHRA kam es zu Einsichten über die Notwendigkeit von breiter und effektiver Bürgerbeteiligung auf kommunaler Ebene. Es wurde nach Modellen gesucht, man bildete sich fort in kommunalrechtlichen, fachlichen und Kommunalverwaltungsfragen. Während dieser Orientierungssuche kam das Interesse der HaMuPagerade recht. Seit 2001 gab es gemeinsame Workshops in Harare und München, in denen praktisch wie theoretisch Einblicke darüber geboten und erarbeitet wurden, was aus bürgerschaftlicher Perspektive jeweils wichtig ist, wie es machbar ist oder sein könnte, was zu wünschen übrig lässt – und warum.

Die Entschlossenheit innerhalb der CHRA war ausschlaggebend dafür, dass im März 2002 in Harare überhaupt Stadtratswahlen abgehalten wurden. Diese waren unter großem – und gefährlichem – persönlichem Einsatz in langwierigen Gerichtsverfahren erkämpft worden. Dass die Beziehungen zwischen der CHRA und dem gewählten Oberbürgermeister dennoch zwischenzeitlich getrübt waren, lag auch an einem Dissens, in dem sich „exekutives“ und „partizipatives“ Selbstverständnis begegneten.
Diesbezüglich gab es in Harare im vergangenen Jahr auf beiden Seiten noch hinzu zu lernen. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass die Annäherung zwischen Harares gewählter Vertretung und seiner Bürgerschaft erleichtert wurde durch den Austausch, den sie jeweils mit beiden Münchner “Pendants” hatten. Auch die Stadt München, HaMuPa und der Verein München für Harare haben – sicher auch verstärkt durch die Krise in Harare – über die Jahre hinweg in Sachen Städtepartnerschaft vielfach voneinander profitiert, und wenn in München heute von dieser Partnerschaft die Rede ist, dann lässt sich keines ihrer Standbeine mehr ohne die anderen denken.

Die Krise in Harare ist mitnichten überwunden: Justament an jenem Tag im April 2003, als der Münchner Bürgermeister Monatzeder, Münchner Stadträte und eine Stadträtin in Harares Townhouse von Elias Mudzuri empfangen wurden, wurde dieser vom Minister of Local Government, Ignatius Chombo, „wegen Ungehorsams“ vom Dienst suspendiert, wenige Monate später wurden sieben Stadträte ihres Sitzes enthoben. Der Kampf geht weiter – jetzt arbeiten CHRA und die gewählte Vertretung Harares gemeinsam in mühevoller Kleinarbeit an der Herstellung von demokratischen Verhältnissen.

Beide Seiten unterstreichen immer wieder, wie wichtig ihnen dabei die öffentliche, bürgerschaftliche und persönliche Rückenstärkung aus München geworden ist. Umgekehrt wird den Beteiligten in München deutlich, wie verwundbar, wie wenig selbstverständlich Demokratie ist, wie sehr sie es braucht, gelebt und belebt zu werden. In den Worten einer der unentwegten Münchner „Hararians“: „Wir sollten hier den Impuls zum Thema Bürgergesellschaft aufgreifen, der von Harare nach München geschwappt ist!“

Dr. Sabine Fiedler-Conradi
Arbeitskreis Städtepartnerschaft Harare – München (HaMuPa)

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